Technik
Wie "funktioniert" der Digitale Wenker-Atlas?
Normalerweise sind Bilder und Grafiken, die auf Webseiten verwendet werden, wenige
Kilobytes groß und können in wenigen Augenblicken über das Internet
übertragen werden. Typischerweise bieten solche Bilder für den Anwender
keine Möglichkeit der Interaktion. Eine DiWA-Karte hat eine Dateigröße
von ca. 1,4 GB und kann daher nicht im GIF- oder JPEG-Format präsentiert werden;
selbst bei einer DSL-Verbindung würde die Übertragung im Idealfall mehrere
Stunden dauern!
Das
Problem wird mit dem Image Web Server
auf elegante Weise gelöst. Dieser ist eine auf dem DiWA-Server laufende und
auf dem ECW-Kompressionsverfahren (ECW: Enhanced Compressed Wavelet) basierende
Komponente, die es ermöglicht, über das ECWP-Protokoll nur die aktuell
benötigten Daten einer solchen Karte in wenigen Augenblicken an den Browser
des Betrachters zu liefern. Auf dem Client-Rechner übernimmt dabei entweder
ein Plug-In oder ein Java-Applet die Dekompression und Darstellung der Bilddaten
und entlastet so den Server. Dieses Bild kann interaktiv manipuliert werden: der
Ausschnitt kann durch Zoomfunktionen stufenlos (!) vergrößert, verkleinert
oder verschoben werden. So werden Details sichtbar, die in der Gesamtansicht nicht
erfassbar sind.
Die Geokodierung der DiWA-Karten kann auch auf dem Client-Rechner
genutzt werden, da dieser automatisch mit Informationen über das geodätische
Datum und die Projektion versorgt wird. So können DiWA-Karten mit Karten von
anderen GIS-Servern kombiniert werden.
Wie werden die Karten erzeugt?
Zunächst wurden beide Exemplare (Marburg und Berlin) des "Sprachatlasses des
Deutschen Reichs" komplett inventarisiert. In einer Datenbank wurden umfangreiche
Informationen zu jedem einzelnen Kartenblatt gesammelt, um eine eingehende
qualitative Differenzierung der Originale zu gewährleisten. Diese Datenbank
wird während des gesamten Projektverlaufs zur Dokumentation aller für
eine Karte durchgeführten Arbeitsschritte weiterverwendet.
Während der weiteren Bearbeitung der Karten wird das jeweils bessere Kartenexemplar
mit einem Spezialscanner bei 600 dpi digitalisiert. Die dabei erzeugten Bilddateien
sind zwischen 628 MB (SW- und NW-Blatt) und 748 MB (NO-Blatt) groß
und werden auf CDs in Marburg angeliefert. Hier wird zunächst jede Karte einer
Qualitätskontrolle unterzogen und von jeder CD eine Archivkopie angefertigt.
Die weitere Bearbeitung der Karten erfolgt mit ER Mapper, einem Programm, das normalerweise in der Fernerkundung
zur Analyse von Satelliten- und Luftbildern zum Einsatz kommt.
Die nun folgende Geokodierung
erfordert die Definition von Passpunkten in der Bilddatei. Hierbei werden bestimmten
Punkten in der Karte Soll-Koordinaten zugewiesen. Hierfür bieten sich besonders
die Schnittpunkte der Gitternetzlinien an: Nach der Ermittlung der für die
Wenker-Karten verwendeten Projektion (Lambert konform konisch mit L0=13°50'14" O,
B0=51°00'00" N, [S1=S2=51°00'00"]) können die auf den Karten angegebenen
Koordinaten in heutige Längen- und Breitenangaben umgerechnet werden.
Während der anschließenden Rektifizierung wird die Karte anhand
der Passpunkte am Zentralmeridian der zugrundeliegenden Projektion ausgerichtet,
um z.B. Papierunebenheiten oder beim Scanvorgang aufgetretene minimale Winkeldifferenzen
auszugleichen. Der Rektifizierungsvorgang für ein einziges Kartenblatt dauert
etwa drei bis vier Stunden. Das Ergebnis ist eine vollständig georeferenzierte
Karte, in der die Koordinaten jedes einzelnen Bildpunktes definiert sind und die
somit kompatibel zu jeder anderen Karte mit gleicher Projektion und gleichem geodätischem
Datum (WGS84) ist.
Der letzte Arbeitsschritt ist die Konduktion von jeweils drei zusammengehörenden
Kartenblättern zu einer Gesamtkarte. Hierbei werden unerwünschte Bildteile
(z.B. Rahmenelemente an den gemeinsamen Kanten) entfernt und die Kartenblätter
passgenau aneinandergefügt. Anschließend kann die Gesamtkarte direkt
in ER Mapper verwendet (z.B. für Vergleiche mit anderen Karten), in andere
GIS-Formate exportiert oder für die Präsentation im Internet im ECW-Verfahren
komprimiert werden.